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Home Sonderthemen Beruf & Bildung Michael Junge, Sächsischer Pflegerat:„Das Bewusstsein für eine gute Ausbildung hat sich erhöht“
13:34 26.09.2020
Die Corona-Krise hat die Pflegeberufe wieder mehr in das Bewusstsein gerückt. Der Bedarf an Fachkräften ist weiter hoch, das Interesse jedoch auch. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Das Interesse an den Pflegeberufen nimmt in Sachsen weiter zu. Laut der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit in Chemnitz haben im vergangenen Jahr 3600 Schulabgänger eine Ausbildung begonnen. Das waren gut 400 mehr als 2018. Mehr als jeder zweite von ihnen (58 Prozent) entschied sich dabei für die Altenpflege als Fachgebiet. Den Angaben zufolge werden in Sachsen derzeit 9088 Jugendliche in einem Pflegeberuf ausgebildet. 2019 gab es 1953 Absolventen.

Neue Ausbildungsrichtung

Die Arbeitsagentur erwartet, dass der Zulauf zu den Pflegeberufen anhält. Vor allem während der Corona-Krise habe deren Wertschätzung zugenommen, sagte die Sprecherin Kristin Huwe. Zudem habe die Neuregelung der Ausbildung, die Anfang 2020 in Kraft getreten sei, den Beruf attraktiver gemacht. Dabei wird nicht mehr zwischen Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpfleger unterschieden. Es gibt nur noch die „Pflegefachfrau“ oder den „Pflegefachmann“, eine Spezialisierung erfolgt später.

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Beruf mit Zukunft

Die Berufschancen für gut ausgebildete Pfleger sind laut Arbeitsagentur exzellent. Aktuell gebe es in Sachsen gut 900 freie Stellen in der Altenpflege (Stand Juli 2020) – bei 154 arbeitslos gemeldeten Fachkräften. „Jeder arbeitslosen Altenpflegefachkraft stehen etwa sechs freie Stellen gegenüber“, sagte Huwe. Auch in der Gesundheits- und Krankenpflege gebe es einen deutlichen Überschuss an freien Stellen. Jeder Bewerber könne theoretisch zwischen drei Angeboten wählen.

Nicht so gut sieht es für Hilfskräfte aus. Laut Arbeitsagentur entfallen etwa 490 gemeldete freie Stellen auf 1709 arbeitslose Altenpflegehelfer. „Auch in der Gesundheits- und Krankenpflege gibt es im Helferbereich deutlich mehr arbeitslose Menschen als freie Stellen“, sagte Huwe. „Eine Qualifikation lohnt sich also.“ Arbeitsagentur und Jobcenter können dabei mit einer Förderung helfen.

Verbesserungen vorantreiben

Aus Sicht des Sächsischen Pflegerates sei die Ausbildung attraktiver geworden, sagte der Vorsitzende Michael Junge. „Das Bewusstsein für eine gute Ausbildung hat sich spürbar erhöht.“ Auch in der Altenpflege gebe es hervorragende Ausbildungsbetriebe.

Um den Bedarf an Fachkräften decken zu können, muss sich Junge zufolge jedoch noch mehr ändern. So müsse ein allgemein akzeptiertes Verfahren für die Personalbemessung der Unternehmen gefunden werden, um die Arbeitsbelastung zu begrenzen. Es müsse verlässlichere Dienstpläne geben, besseren Gesundheitsschutz, eine deutlich höhere Grundvergütung und mehr Geld für Schichtarbeit und Feiertagsarbeit.

Die akademische Pflegeausbildung müsse zudem weiter verstärkt und mehr Abiturienten für den Beruf gewonnen werden. Da gebe es noch immer zu wenige Studienplätze an Hochschulen.
    

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