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Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig

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23:14 10.06.2021
OB SCHNITT ODER FARBE: Kürschnermeisterin Romy Kästner verpasst alten Pelzen einen neuen Look. Foto: André Kempner

Aus Alt mach Neu heißt es regelmäßig im Atelier von Romy Kästner. Die Kürschnermeisterin verpasst aus der Zeit gefallenen Pelzmänteln einen neuen Anstrich – modern und auf die jeweiligen Besitzer und Besitzerinnen zugeschnitten. Sie weiß: „Viele haben noch alte Erbstücke im Schrank, die sie so nicht mehr tragen würden, die aber zu schade sind, um sie wegzuwerfen.“ Diese, oft mit Erinnerungen verbundenen Stücke, arbeitet Kästner in ihrem Pelzatelier am traditionsreichen Brühl liebevoll auf und macht modische Unikate daraus – vom Entwurf bis zum fertigen Kleidungsstück ist alles Handarbeit. Gerne kreiert sie auch individuell auf die Kundschaft zugeschnittene Pelze aus neuen Fellen. Ihre kreativen Ideen findet sie bei Fachmessen etwa in Mailand. Doch bei allem Tun achtet sie auf einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Naturmaterial.

Romy K. Pelz & Leder
Am Brühl 52 (2. Etage)
Telefon: 0341 99390655
www.pelzatelier-romyk.de

Renaissance der Stadtviertel?

Corona hilft dem „Laden um die Ecke“: Denn in der Pandemie kaufen viele Verbraucher wieder häufiger im eigenen Viertel ein.

Die Corona-Krise hat in Deutschland nicht nur dem Onlinehandel einen massiven Boom beschert, auch das Einkaufen im Stadtviertel oder im „Laden um die Ecke“ erlebte eine Renaissance. „Lokale Läden haben in der Pandemie an Relevanz gewonnen“, fasst der PwC-Handelsexperte Christian Wulff das Ergebnis einer Umfrage des Beratungsunternehmens gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zusammen. Gerade Menschen im Homeoffice kauften gerne im Laden um die Ecke ein.

Pandemie verändert Konsum

Das Konsumverhalten der Verbraucher und Verbraucherinnen hat sich in der Pandemie spürbar verändert. Die Menschen kaufen unabhängig von ihrem Alter immer mehr online ein. Im Modebereich decke mittlerweile fast jeder zweite Verbraucher (46 Prozent) seinen Bedarf überwiegend im Internet, berichtete PwC.

Bei Elektronik bevorzuge mehr als jeder Dritte (38 Prozent) das Onlineshopping gegenüber dem klassischen Einkauf im Laden. Besonders beliebt sei der Einkauf im Internet bei den Millennials, also der Altersgruppe der 25- bis 39-Jährigen.


"Die großen Innenstädte haben eine extreme Anziehungskraft."

Michel Gerling, Handelsforschungsinstitut EHI


Doch profitierten der Umfrage zufolge eben nicht nur die Onlineanbieter von der Pandemie, sondern auch viele Händler in den Stadtvierteln. Michel Gerling vom Kölner Handelsforschungsinstitut EHI sieht hier auch für die Zeit nach der Pandemie durchaus ein gewisses Zukunftspotenzial.

„Der Trend zum Homeoffice könnte dem Einzelhandel in Klein- und Mittelstädten, aber auch den Geschäften im Speckgürtel der Metropolen und in manchen Stadtvierteln eine kleine Renaissance bescheren, weil viele Beschäftigen nicht mehr in die Großstädte fahren müssen.“

Der Handelsexperte warnte allerdings auch davor, ein zu optimistisches Bild zu zeichnen. „Natürlich kaufen Menschen, die im Homeoffice sind, mehr bei sich im Viertel ein. Und Textilhändler in der Nachbarschaft konnten davon vielleicht auch etwas profitieren. Aber das reichte bei weitem nicht aus, um die Einbußen durch den Lockdown wettzumachen.“

Starke Anziehungskraft

Handelsexperte Gerling sieht dennoch keinen Grund für Schwarzmalerei. „Ich würde die Stadtzentren nicht abschreiben. Die großen Innenstädte haben eine extreme Anziehungskraft und werden zu ihrer Bedeutung zurückkehren“, sagte er. Das werde zwar vielleicht eine Weile dauern, weil sich nach der Pandemie vieles neu einpendeln müsse. Viele Modehändler dünnten derzeit ihre Filialnetze aus. Doch stünden Möbelhändler, Baumärkte, Supermarktketten und Discounter bereit, die Lücken zu füllen, wenn die Miete stimme.

Der Branchenkenner ist überzeugt: „Mittel- und langfristig könnten die Innenstädte sogar attraktiver werden, weil es dort ein vielfältigeres Angebot geben wird als heute.“

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