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16:43 11.06.2021
Beim Immobilienkauf fallen auch Steuern an. Wer ein unbebautes Grundstück kauft, zahlt mitunter auch für die Erschließungskosten. Ist das rechtens? Foto: Christin Klose/dpa-mag

Erwerber müssen bei einem Grundstückskauf auch an die Steuer denken. „Es wird eine nicht unerhebliche Summe für die Grunderwerbsteuer fällig“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Zur Berechnung der Steuer wird prinzipiell der Kaufpreis herangezogen. Ob noch zu erbringende Erschließungsleistungen davon abzuziehen sind, ist jetzt die Streitfrage vor Gericht. Interessant ist das vor allem für diejenigen, die von einem Bauträger erwerben.

Grunderwerbsteuer auf gesamten Kaufpreis

Die Kläger erwarben von einer Immobiliengesellschaft ein Grundstück. Im Kaufpreis enthalten waren bereits die Kosten für einen noch zu errichtenden Hauswasseranschluss in Höhe von knapp 2800 Euro und noch bei der Immobilienfirma anfallende Erschließungskosten für das Grundstück in Höhe von rund 30 000 Euro.

Lohnsteuerhilfeverein für Arbeitnehmer e.V.

Das Finanzamt berücksichtigte auch diese Kosten und setzte auf den gesamten Kaufpreis Grunderwerbsteuer fest, während die Kläger meinten, sie hätten ein unerschlossenes Grundstück gekauft, sodass die Kosten für die Erschließung und den Hauswasseranschluss nicht der Grunderwerbsteuer unterlägen.

Damit konnten sie sich beim Finanzgericht Münster allerdings nicht durchsetzen. Alle Leistungen, die gemäß den vertraglichen Vereinbarungen für den Kauf erbracht werden, sind grunderwerbsteuerpflichtig, so die Richter (Az. 8 K 1438/19 GrE).

„Jetzt liegt die Frage dem Bundesfinanzhof vor, denn die Kläger haben dort Revision eingelegt“, sagt Klocke. Betroffene Käufer, denen das Finanzamt in einem ähnlichen Fall die Grunderwerbsteuer auf die noch zu erbringende Erschließung berechnet, können Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen und das Ruhen des Verfahrens bis zur Entscheidung beantragen (Az.: II R 9/21).

Steuer muss zunächst gezahlt werden

Die Steuer muss allerdings zunächst gezahlt werden, kann aber dann eventuell anteilig erstattet werden. Um Streit mit dem Finanzamt zu vermeiden, sollten Käufer den Grundstückserwerb und die Erschließung gegebenenfalls getrennt vereinbaren. dpa

„Verborgenes“ ausfindig machen

Madeleine Heikel vom Lohnsteuerhilfeverein VLH: „Wir übernehmen alles rund um die Einkommensteuererklärung“

Hilfe in Steuersachen ist hochwillkommen. Naht die Abgabefrist für die Steuererklärung, steigt die Nervosität. Als Laie ist die Erledigung der Steuersachen meist eine enorme Herausforderung, zumal Jahr für Jahr neue Regelungen greifen, der Gesetzgeber Änderungen vornimmt. Wohl dem, der einen profunden Kenner der Materie an seiner Seite weiß. Zum Beispiel Madeleine Heikel vom Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. (VLH). Welche Vorteile eine Mitgliedschaft für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hat und welche Leistungen erbracht werden, darüber sprachen wir mit der Steuerexpertin.

Frage: Ich habe an Ihrem Hauseingang das Hinweisschild „Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V., Beratungsstelle“ gelesen. Was verbirgt sich dahinter?

Madeleine Heikel: In den 1960er- und 1970er-Jahren standen Arbeitnehmer alleine und ohne fremde Hilfe im Steuerdschungel, wenn sie die hohen Honorare der Steuerberater nicht bezahlen konnten. Nachdem die Gewerkschaften das angeprangert hatten, ermöglichte der Gesetzgeber im Steuerberatungsgesetz die Institution der Lohnsteuerhilfevereine. Ich selbst gehöre der VLH an, dem Lohnsteuerhilfeverein mit dem bundesweit dichtesten Beratungsstellen-Netz, und leite eine VLH-Beratungsstelle. Die VLH besteht bereits seit fast 50 Jahren und betreut mit rund 3000 Beratungsstellen mehr als eine Million Mitglieder. Wir sind sozusagen die Steuerberater der Arbeitnehmer, Rentner und Pensionäre.

Welche Vorteile bringt Arbeitnehmern eine Mitgliedschaft in Ihrem Lohnsteuerhilfeverein, der VLH?

Unser großer Vorteil ist, dass wir als Verein nicht auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind, sondern kostendeckend arbeiten. Deshalb verlangen wir vergleichsweise niedrige und sozial gestaffelte Mitgliedsbeiträge für unsere umfassende steuerliche Beratungsleistung: Wer weniger verdient, der zahlt weniger Beitrag. Und die durchschnittliche Steuerrückerstattung eines VLH-Mitglieds liegt im Erstattungsfall bei mehr als 1300 Euro. Anders als bei den Angehörigen der steuerberatenden Berufe dürfen wir nicht jede einzelne Tätigkeit gesondert abrechnen, sondern nur einen Mitgliedsbeitrag pro Jahr verlangen. Mit diesem Mitgliedsbeitrag sind sämtliche Leistungen abgegolten, die wir für unsere Mitglieder im Zeitraum von einem Jahr erbringen. Dazu gehören unter anderem die steuerliche Beratung des Mitglieds, die Erstellung der Einkommensteuererklärung und/ oder der Anträge auf Lohnsteuerermäßigung einschließlich Versendung an das zuständige Finanzamt. Auch die Beratung und Antragstellung von Kindergeld sowie die Beratung und Berechnung der steuerlichen Auswirkungen des „Riester-Bonus“ gehören dazu. Außerdem berechnen wir, ob und wie hoch die steuerliche Steuerrückerstattung oder Steuernachzahlung für ein Mitglied ausfallen wird. Wir übernehmen die gesamte Kommunikation mit dem Finanzamt, und schließlich überprüfen wir den Steuerbescheid, legen bei Abweichungen von der Steuererklärung Einspruch ein bis hin zur Klage vor dem Finanzgericht.

Was unterscheidet Sie von Steuerberatern?

Unsere Steuerberatung ist in Vereinsform organisiert, deshalb dürfen wir unsere Leistungen nur unseren Mitgliedern erbringen. Ansonsten übernehmen wir alles rund um die Einkommensteuererklärung. Gemäß der gesetzlichen Beratungsbefugnis nach Paragraf 4 Nr. 11 Steuerberatungsgesetz beraten wir als VLH Arbeitnehmer, Beamte, Rentner und Vermieter im Rahmen einer Mitgliedschaft. VLH-Mitglieder können Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit, Renten, Versorgungsbezügen und Unterhaltsleistungen beziehen. Dann beraten wir als VLH auch diejenigen als Mitglied, die zusätzlich folgende Einnahmen erzielen; Einkünfte aus Kapitalvermögen, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sowie sonstige Überschuss-Einkünfte. Allerdings dürfen die Einnahmen aus diesen drei Einkunftsarten insgesamt nicht mehr als 18 000 Euro für Ledige beziehungsweise 36 000 Euro bei Ehepaaren betragen. Selbstständige, Gewerbetreibende und Arbeitnehmer mit Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit dürfen wir als VLH leider nicht als Mitglied aufnehmen und somit auch nicht beraten. Wie Steuerberater auch, sind wir an strenge gesetzliche Vorschriften gebunden. So haben wir unsere Beratung sachgemäß, gewissenhaft und verschwiegen auszuüben. Weiterhin muss jeder Lohnsteuerhilfeverein zur Absicherung der Vereinsmitglieder kraft Gesetzes eine Berufshaftpflichtversicherung für eventuelle Vermögensschäden abschließen. Diese gesetzlichen Pflichten werden vom Staat selbst kontrolliert. Selbstverständlich erfüllen wir alle diese Pflichten.

Wie sichern Sie Ihre Beratungskompetenz?

Durch die Teilnahme an steuerfachlichen Fortbildungen und regelmäßigen steuerlichen Fachinformationen durch den Verein halten wir unser steuerliches Fachwissen stets auf dem neusten Stand. Zudem stellt die VLH die meisten nach DIN 77700 zertifizierten Beraterinnen und Berater. Wie Sie sehen, sind die Mitglieder bei uns auf der sicheren Seite, denn im Bereich der Arbeitnehmerbesteuerung sind wir die richtigen Ansprechpartner.

Welche Unterlagen benötigen Sie, um ein Mitglied aufzunehmen?

Eine Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers sowie alle Nachweise für Lebens- und Unfallversicherungen, Gewerkschaftsbeiträge, Unterlagen über den Kauf, die Herstellung oder Erweiterung von Wohneigentum sowie alle weiteren Unterlagen, von denen Sie meinen, dass sie sich steuermindernd auswirken. Aber keine Sorge: Ich gehe mit potenziellen Mitgliedern gemeinsam eine Check-Liste durch, um auch solche steuerbegünstigten Ausgaben ausfindig zu machen, die noch im „Verborgenen“ liegen könnten. Übrigens: Ich stehe Ihnen auch jetzt während der Gorona-Krise zur Verfügung – Interessenten können sich einfach telefonisch oder per E-Mail melden, dann besprechen wir, wie wir am besten vorgehen.

Kontakt:

Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V.
Madeleine Heikel
Beratungsstelle Eisenbahnstraße 15 a, 04509 Delitzsch
Telefon: 034202 63735
Fax: 034202 63735


Wann sich das Ja-Wort auszahlt

Ehepaare können sich entscheiden: Entweder lassen sie sich steuerlich zusammen veranlagen oder getrennt. Darauf macht die Bundessteuerberaterkammer in Berlin aufmerksam. Welche Variante sich auszahlt, muss immer im Einzelfall entschieden werden. Bei der Zusammenveranlagung beziehungsweise dem Ehegattensplitting behandelt der Fiskus das Ehepaar gemeinsam als steuerpflichtige Person. Die Summe beider Einkommen wird zunächst durch zwei geteilt, um die Steuer für die Hälfte des Einkommens zu ermitteln. Anschließend verdoppelt die Finanzverwaltung diesen Betrag, um die fälligen Steuern festzulegen.

Bei der Einzelveranlagung unterliegen die Partner dem normalen Grundtarif. Das kann günstiger sein, wenn ein Ehepartner Verluste, hohe außergewöhnliche Belastungen, wie zum Beispiel Krankheitskosten, oder hohe Lohnersatzleistungen bezogen hat.

Um Ehepaaren oder Lebenspartnerschaften die Wahl zu erleichtern, stellt das Bundesfinanzministerium jährlich aktualisierte Tabellen zur Steuerklassenwahlkombination zur Verfügung. Die Tabellen ermöglichen ein Ablesen der Steuerklassenkombination, welche beim derzeitigen Einkommen die geringste Lohnsteuer entstehen lässt. dpa