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Themenwelten
23:47 22.11.2021
Anlässlich des Totensonntages werden viele Hinterbliebene die Gräber ihrer Liebsten besonders festlich schmücken und halten in diesen November-Tagen an der letzten Ruhestätte gedenkend inne. Foto: Grünes Medienhaus

Friedhofsgärtner verwandeln im Herbst so manches Grab in ein kleines Kunstwerk. Sie setzen mit kunstvoll und individuell gestaltetem Grabschmuck Akzente und behalten dabei auch die Witterung im Auge.

Sie fertigen einzigartige Werkstücke an und beraten Angehörige bei der saisonalen Abdeckung der Gräber. Der November ist ein Monat der Besinnung und des Gedenkens – besonders, weil in diese Zeit die Totengedenktage fallen. Viele Hinterbliebene nutzen diese Tage, um die Gräber ihrer Liebsten besonders festlich schmücken zu lassen.

Emotionen Spielen oft eine Rolle

„Als Grundlage für Kränze und Gestecke verwenden wir oft Tannenzweige, Wacholder, Moos und Trockenblumen, Tannen- und Kiefernzapfen, die auch bei Wind und Wetter lange attraktiv bleiben“, erklärt Christoph Schulze – Friedhofsgärtner aus Crimmitschau. Mancherorts sind auch Winterabdeckungen mit verschiedenen Nadelgehölzen zu sehen. Wenn dann an den Gedenktagen auf den Gräbern hunderte Lichter brennen, entsteht ein beeindruckender Anblick, dem man sich kaum entziehen kann: der Friedhof als Raum für Leben und Tod. Dabei gehen die Experten für schöne Gräber intensiv auf die Wünsche und Vorstellungen der Kunden ein und thematisieren beispielsweise, ob die Lieblingsblumen des Verstorbenen verwendet werden können.

Die Friedhofsgärtner nutzen ihr breites Fachwissen, um ganz persönlich gestalteten Grabschmuck zu entwerfen. „Emotionen spielen dabei oft eine große Rolle“, sagt Christoph Schulze. „Fingerspitzengefühl ist äußerst wichtig, um für die Angehörigen kreative Werkstücke anzufertigen, die so individuell sind wie die Persönlichkeit des Verstorbenen selbst.“ Starken Symbolcharakter haben beispielsweise Grabgestecke in Form eines Herzen. Viele verschiedene Formen und Variationen sind aber möglich. Meistens kristallisiert sich ein Hauptwunsch im Gespräch recht schnell heraus, den wir Friedhofsgärtner dann aufgreifen. Die Gestaltung der Gräber ist aber nur ein kleiner Teil des Aufgabenspektrums der Friedhofsgärtner.

Breite Auswahl

„Gerne beraten wir unsere Kunden auch bei der saisonalen Auswahl von Grabschmuck, Blumen und Pflanzen. Auch die persönlichen Wünsche für Bepflanzungen von Schalen übernehmen wir gern“, erläutert Christoph Schuzlze. Zu den anfallenden Aufgaben auf dem Friedhof gehört auch das Säubern der Grabfläche sowie das Schneiden, Düngen und Gießen der Bepflanzung. Alle diese Leistungen werden von den Friedhofsgärtnern auch als Komplettservice angeboten. Die Friedhofsgärtner sind ein Teil des Friedhofes und helfen mit ihren Leistungen vielen Menschen in einer der schwersten Phasen ihres Lebens.

Ein individuell gestaltetes Grab ist für viele Angehörige eine wichtige Anlaufstelle im Trauerprozess. Die Friedhofsgärtner sind hier die richtigen Ansprechpartner, denn sie verfügen über das notwendige Geschick und das fachliche Knowhow. In Absprache mit dem Auftraggeber pflegen die Profis auch auf Dauer die letzte Ruhestätte. Sei es die wechselnde Bepflanzung im Jahresverlauf, das regelmäßige Gießen oder das Entfernen von Unkraut: Diese und viele weitere Dienstleistungen lassen sich alle mit einer Friedhofsgärtnerei vereinbaren. Was bleibt ist die Erkenntnis: Der Friedhof ist ein „grüner Kulturraum“, der positive Signale wie Wohlbefinden, Entspannung, Identifikation und Heimatgefühl auslöst. Er ist kein Ort wie jeder andere.
djd/pt


Was bleibt, wenn ein Mensch gestorben ist?

Trauergedenktage wie der Totensonntag am 21. November laden zur Erinnerung ein

Wer sich von einem lieben Menschen verabschieden muss, fragt sich, was bleibt. Sind es wirklich nur die Erinnerungen, die man im Herzen trägt? Oder sind es nicht auch Dinge, Gerüche, Momente und Orte, die uns erinnern lassen? Solche Momente sind die Trauergedenktage wie der Totensonntag am 21. November. Und die Orte sind unsere Friedhöfe.

Der Friedhof hat vieles, was andere Bestattungsorte nicht haben: Ein Friedhof ist ein gewachsener Ort. Er dient als Ort der Bestattung, der Verstorbenen und der Lebenden, der Trauer und der Erinnerung. Wer durch das Tor zu einem Friedhof tritt, spürt sofort: Hier bin ich in einem geschützten Raum. Hier kann ich ich sein, ganz und gar eins mit meinen Erinnerungen, meinem Gedenken und meiner Trauer. Der Friedhof ist der Ort, an dem wir die Hektik des Alltags kurz vergessen können und Zeit für Ruhe und Besinnung finden. Dieser Ort hat eine Aura, die uns sofort umfängt. Einen großen Anteil daran haben die vielen individuellen Grabstätten, in denen unsere Verstorbenen ruhen. Sie werden oft persönlich und liebevoll gestaltet. Das Grabmal ist die Visitenkarte dieses einmaligen, persönlichen Ortes. Name, Le-bensdaten und Symbole geben ihm eine besondere Kraft. Das Innehalten am Grab gibt daher den Hinterbliebenen eine ganz besondere Energie, um Energie und neuen Mut zu schöpfen und innere Konflikte zu lösen, die der schmerzliche Verlust von geliebten Menschen mit sich bringt. Nicht umsonst werden daher die Gräber unserer Verstorbenen auf den Friedhöfen zu Kraftorten für die Menschen, die trauern und sich erinnern wollen. An den bundesweiten Trauergedenktagen nutzen wir diese Orte ganz besonders. Der Besuch des Friedhofs und der Gräber ist für alle Generationen eine liebgewordene Tradition. Die Atmosphäre ist geprägt von der herbstlichen Natur, die Blätter verfärben sich und glühen bei milchigem Sonnenschein in unterschiedlichen Farben. Manchmal weht auch ein leichter Nebel um die Beine. Die Stimmung ist ruhig. Die Gräber sind festlich geschmückt und bezeugen, dass wir unseren Verstorbenen immer noch sehr nah sind. Die Grabmale sind geputzt und die Bepflanzung passt sich der Natur an. Oft brennen Kerzen und in der Dämmerung blitzen sie dann wie kleine Hoffnungsschimmer in allen Ecken des Friedhofs. Es lohnt sich, in dieser Zeit einen Spaziergang auf dem nahegelegenen Friedhof einzuplanen. Die Grabmale sprechen zu uns und sind auch ein Spiegelbild unserer Heimatgeschichte. Geschaffen werden sie durch die ortsansässigen Steinmetzinnen und Steinmetze, die mit heimischem beziehungsweise europäischem Naturstein, handwerklichen Fähigkeiten, Ideen und Kreativität oftmals auch regionale Besonderheiten umsetzen.