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Themenwelten
14:20 05.10.2021
Dr. Martina Schröder Foto: J. Waschke

Wer ein eigenes Haus bauen will, sollte sich im Vorfeld gut über die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten informieren. Wie viel Eigenkapital man mitbringen sollte, mit welchen Zinsen zu rechnen ist und welche Risiken es bei der Finanzierung geben kann, darüber gibt Fachfrau Martina Schröder von der sächsischen Verbraucherzentrale Auskunft.

Worauf sollte man beim Hausbau bei der Finanzierung achten?

Der Verbraucher sollte sich im Vorfeld der Finanzierung über folgende Fragen im Klaren sein: Wieviel Haus kann ich mir leisten? Wie hoch kann die maximale Kreditrate und Kreditsumme sein? Wie sieht meine Bonität aus? Und: Gibt es zu meiner Bonität ein passendes Hausangebot? Wichtig ist, dass das Finanzierungskonzept bedarfsgerecht ist, das heißt passend zu den Bedürfnissen des Verbrauchers. Das sind im Wesentlichen die passende Darlehenslaufzeit, die Kreditbelastung und Kredithöhe. Außerdem sollte in der Finanzierung das Alter des Kreditnehmers berücksichtigt werden und der Bauwillige über die eigene Lebensplanung nachdenken – etwa Familiengröße, Alter der Kinder oder gegebenenfalls einen Umzug wegen eines Jobwechsels. Die gewünschte Darlehenslaufzeit bestimmt die anfängliche Tilgungshöhe.

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Wieviel Eigenkapital sollte man mitbringen?

Empfehlenswert sind 15 bis 20 Prozent der Gesamtkosten. Je höher der Eigenkapitalanteil, desto solider die Finanzierung und die Chance auf bestmögliche Finanzierungskonditionen. Wichtig zu beachten: Zusätzlich zum Kaufpreis können Anschaffungskosten von fünf bis 15 Prozent anfallen, die in der Regel aus dem Eigenkapital zu bezahlen sind, etwa Grunderwerbs- und Notarkosten, Makler oder weitere Kosten wie der Umzug.

Wie viele verschiedene Angebote sollten sich Hausbauinteressenten einholen?

Sinnvoll ist es, sich zwei bis drei Finanzierungsangebote – von seiner Hausbank und Fremdbanken – einzuholen. Damit hat der Verbraucher gegenüber seiner Bank eine bessere Verhandlungsposition. Darlehen von Direktbanken können kostengünstiger sein. Jedoch zu beachten ist, das es hier in der Regel keine persönliche Beratung vor Ort gibt. Es ist außerdem zu empfehlen, sich mehrere Hausbauangebote einzuholen, damit man einen Marktvergleich hat.

Welche Kreditformen eignen sich beim Hausbau?

Empfehlenswert ist das klassische Annuitätendarlehen mit fester monatlicher Rate, die aus einem Zins- und Tilgungsanteil besteht. Es ist einfach, transparent und gut kalkulierbar. Beim Annuitätendarlehen können Sondertilgungsrechte und ein Wechsel des Tilgungssatzes vereinbart werden. Darlehen mit Sondertilgungsoption können zu einer schnelleren und flexibleren Entschuldung führen.

Beim Bankvorausdarlehen mit Tilgungsersatz erfolgt die Tilgung zum Beispiel in Form der Ansparung eines Bausparvertrages, einer Lebensversicherung oder eines Wertpapierdepots. Das Darlehen ist in der Regel teurer als ein Annuitätendarlehen, da bis zur endfälligen Tilgung Zinsen auf die gesamte Darlehenssumme gezahlt werden. Werden mehrere Bausparverträge als Tilgungsersatz in ein Bankvorausdarlehen eingebunden, kann dies schnell unübersichtlich und intransparent für den Verbraucher werden. Ein Bankvorausdarlehen gegen Tilgungsersatz kann gegebenenfalls bei einer Kapitalanlegerfinanzierung geeignet sein, da steuerliche Aspekte eine Rolle spielen können. Man sollte das Ganze unbedingt von einem Steuerberater prüfen lassen.

Welche Fallstricke können auftauchen, auf die man vorbereitet sein sollte?

Alle Risiken kann man nicht ausschließen. Eine langfristige und gut durchdachte Planung kann aber helfen, Risiken zu minimieren. Ein Fallstrick ist der Zinsanstieg, also ein höherer Zins bei Auslauf der Zinsbindungsfrist. Daraus kann sich eine höhere monatliche Kreditbelastung bei einer Zinsanschlussvereinbarung ergeben. Hausbauerinnen und Hausbauer können hier die Option eines Forward-Darlehens prüfen, das bis zu fünf Jahre im Voraus möglich ist. Vermeiden sollten Verbraucher eine unpassende und nicht bedarfsgerechte Laufzeit: Das passiert, wenn die anfängliche Tilgung zu gering gewählt wurde und der Kredit damit zu lange läuft. Eine weitere Gefahr birgt die Änderung der Bonität der Kreditnehmer – etwa wesentlich geänderte Einkommens- und Ausgabenverhältnisse durch Scheidung, Krankheit, Jobverlust, Umzug oder erhöhte Ausgaben, zum Beispiel durch das Studium der Kinder. Finanzielle Reserven – auch für unvorhersehbare Dinge – sollte man immer einplanen und Rücklagen haben.

Die Verbraucherzentrale Sachsen bietet rund um das Thema Baufinanzierung eine anbieterunabhängige Beratung an. Die Termine können telefonisch unter 0341/6962929) oder online über die Webseite gebucht werden www.verbraucherzentrale-sachsen.de.

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