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Themenwelten
01:05 18.12.2021
Ein selbstgebackener Stollen ist in vielen Familien Teil einer generationenübergreifenden Tradition. Foto: Ktryna/Pixabay.com

Diese Liedzeile aus einem alten deutschen Weihnachtslied wird immer in der Weihnachtszeit für mich Wirklichkeit: „So viel Heimlichkeit in der Weihnachtszeit! In der Küche riecht es lecker, ähnlich wie beim Zuckerbäcker…“ Ja, bei uns wird viel gebacken: Kekse, Törtchen, Brot. Aber etwas ist, seit ich denken kann, immer etwas Besonderes: der Weihnachtstollen.

Altes Familienrezept

Nach einem alten Familienrezept bäckt seit Jahrzehnten die ganze Familie: meine Uroma, meine Oma und meine Mama. Damit pünktlich am 1. Advent der Stollen frisch zum Kaffee angeschnitten und genossen werden kann – und natürlich an den Weihnachtstagen.

Jeder schmeckt anders

Ganz am Anfang haben alle drei Generationen für sich gebacken. Und meine Mama schwört, dass jeder Stollen auf seine Art ein bisschen anders geschmeckt hat. Daran kann ich mich nicht erinnern. Für mich haben einfach alle toll geschmeckt.


„In der Küche riecht es lecker, ähnlich wie beim Zuckerbäcker… “

Lotte Schuffenhauer
„So viel Heimlichkeit“
(Weihnachtslied aus der DDR)


Eigene Wanne für den Teig

Aber was ich noch weiß: Früh um 4 Uhr stand meine Mama immer auf, hat eine große Wanne, die nur für den Stollenteig verwendet wird, aus dem Keller geholt und dann ging es los. Mandeln wurden bereits zwei Tage vorher abgezogen und Rosinen in Rum eingelegt. Alle weiteren Zutaten (Mehl, Hefe, Orangeat, Zitronat und Co.) wurden schon Wochen vorher eingekauft und im Keller aufgestellt. Allein das Hochholen hat eine Viertelstunde gedauert. Der Teig aus allen Zutaten musste ganz lange durchgeknetet werden. Meiner Mama taten dann immer die Arme weh. Und ich durfte schon einen kleinen Klecks Teig als Erste kosten. Der schmeckte himmlisch lecker.

Wenn der Teig fertig gegangen war, dann war es bereits 7 Uhr und wir haben ihn in eine kleine private Bäckerei gefahren – egal ob bei Regen, Sturm, Glatteis oder Schnee, alles kam schon vor – und der Bäckermeister hat die Stollen geformt und für uns gebacken. Aus acht Kilo Hefe kamen immer so ungefähr 14 Stollen (kleine und große) raus. So viel? Ja, denn der tolle Stollen von meiner Mama war begehrt – bei Freunden, Verwandten, Bekannten, Arbeitskollegen, und jeder hat einen bekommen. Aber vier Stück blieben immer für uns. Die kamen an allen Adventssonntagen auf den Kaffeetisch und natürlich auch mal zwischendurch.

Duft im ganzen Haus

Wenn die fertigen Stollen abgeholt wurden und wir sie in die Küche brachten, roch es im ganzen Haus danach – und dann begann für mich wirklich Weihnachten. Ich habe als Kind dann geholfen, Butter auf die Stollen zu pinseln und mit Vanille- und Puderzucker zu bestreuen. Für mich ein Riesenspaß.

Noch heute bäckt meine Mama nach diesem Familienrezept. Und irgendwann, hat sie gesagt, bin ich dann an der Reihe, diese Tradition fortzuführen. Nannette Hoffmann

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