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Themenwelten
11:01 06.04.2021
Centermanager Thomas Oehme in den Promenaden im Hauptbahnhof in Leipzig . Der Vorsitzendes des Vereins City Leipzig Marketing blickt auf die kritische Situation des Einzelhandels in der Stadt, der unter dem Lockdown leidet. Foto: André Kempne

Thomas Oehme ist Vorsitzender des Vereins City Leipzig Marketing und Centermanager der Promenaden Hauptbahnhof. Im Interview mit Gina Apitz spricht er über die Situation des Einzelhandels in der Stadt, den Leerstand von Geschäften und wann der Handel zur Normalität zurückkehren wird.

Wie geht es den Händlern in der Leipziger Innenstadt im Lockdown?

Wir müssen differenzieren: Supermärkte machen eigentlich ganz normale Geschäfte. In den Innenstädten verlieren sie ein Stück weit, weil so wenig Menschen unterwegs sind und weil man Lebensmittel, die man für den täglichen Bedarf braucht, eher wohnortnah kauft. Die Mobilität ist derzeit noch eingeschränkt.

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Wie steht es um die Geschäfte, die bisher nicht oder jetzt zumindest mit Terminvergabe, dem Click and Meet, öffnen dürfen?

Hier sieht es schlimm aus. Diese Händler kommen auf keinen grünen Zweig. Ihre Umsätze liegen 20 bis 30 Prozent unter dem normalen Niveau. Sie können dadurch ihre Kosten nicht bestreiten – weder Miete, Personal noch Wareneinkäufe. Click and Meet ist ein Stück weit Kundenbindung und Kontakt. Händler können dadurch wieder eine Beratung anbieten. Es ist aber kein Modell, was der Einzelhandel noch Monate durchhalten kann.

Wie viele Geschäfte in der City sind von der Insolvenz betroffen?

Wir haben bereits eine Handvoll insolvenzbedingte Schließungen in den Promenaden Hauptbahnhof. Ähnlich berichten andere Passagen und Einkaufscenter . In der Innenstadt dünnen größere Ketten, die sich in der Insolvenz befinden oder Sanierungskonzepte haben, ihr Filialnetz aus. Die Leerstände werden sich in Zukunft also eher mehren.

Wird Leipzigs Zentrum nach der Pandemie leerer aussehen?

Ich glaube schon. Wir haben schon jetzt eine sehr hohe Leerstandsquote in der Innenstadt. Das sind aber mehr die Nebenlagen oder Geschäfte in einzelnen Passagen. Wir stehen vor der großen Herausforderung in den nächsten zwei, drei Jahren die Attraktivität in der Innenstadt weiter hochzuhalten. Es geht auch darum, neue Nutzungen zu finden, weil nicht mehr alle Flächen mit Einzelhandel bespielt werden können.


"Ein Souvenirshop hat keine Möglichkeit, sich online zu präsentieren."


Die großen Ketten können die Einbußen besser kompensieren als kleine Läden. Trifft es sie besonders hart?

Ja, auf jeden Fall. Größere Händler haben mittlerweile eine sogenannte Omni-Channel-Strategie. Sie verkaufen ihre Produkte stationär als auch online. Sie können Filialen schließen und die Verluste ein Stück weit abfedern. Kleine Einzelhändler, die nur ein oder zwei Geschäfte haben, können das nicht. Sie schaffen es in der Regel nicht so schnell und effektiv einen Onlineshop zu kreieren. Ein Souvenirshop hat zum Beispiel keine Möglichkeit, sich online zu präsentieren, weil das keiner nachfragen wird. Sowas kauft man nur, wenn man einen Städtetrip macht und sich ein kleines Andenken mitnimmt.

Das Onlinegeschäft kann die Verluste nicht auffangen?

Nein, gerade eine Stadt wie Leipzig lebt vom Umland und den Touristen. Die Besucherströme sind derzeit einfach nicht da. Da nützt die beste Onlinestrategie nichts. Gegen die großen Plattformen Amazon und Co. erzeugt man auch kaum eine Relevanz. Den Preiskampf können viele kleine Händler nicht bestehen.

Wann wird die Innenstadt wieder normal zum Bummeln einladen?

Das hängt davon ab, wie schnell Deutschland mit dem Impfen vorankommt und wie die Testkapazitäten aussehen. Städte wie Tübingen und Rostock haben Modellprojekte gestartet, bei denen gegen Vorlage eines negativen Coronatests wieder mehr Freiheit zugelassen wird. Das wäre für Leipzig ein wünschenswertes Szenario. Wir vom City Leipzig Marketing e.V. fordern von Stadt und Land deshalb auch, dass eine Testinfrastruktur aufgebaut und unterstützt wird.

Wird es in naher Zukunft eine Rückkehr zur Normalität geben?

Ich denke und hoffe sehr, dass ab Mai der Handel und hoffentlich auch die Gastronomie in der Stadt wieder vollumfänglich öffnen werden können. Das Ganze wird aber sicherlich noch mit entsprechenden Hygienemaßnahmen einhergehen müssen.
     

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