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Themenwelten
19:29 08.07.2021
Foto: Felix Mittermeier/pixabay.com

Wie tief hat das Jahr 2020 die Reisebranche getroffen?

Das Jahr 2020 kann mit Fug und Recht als DAS Corona-Jahr bezeichnet werden – mit bis dato nicht aufgetretenen Rückgängen bei Umsatz und Reisenden. Die Reisewirtschaft hat über das gesamte Jahr einen Umsatzverlust von 80 Prozent gesehen – es fehlten mehr als 28 Milliarden Euro in den Kassen. Eine Entwicklung, die wir niemals zuvor gesehen hatten, mit dramatischen wirtschaftlichen Folgen für die gesamte Tourismusbranche. Die stärksten Einbußen hatte die organisierte Reise in die klassischen Urlaubsgebiete rund ums Mittelmeer zu verzeichnen. Die Ausgaben für selbstorganisierte Reisen sanken im Vergleich weniger stark. Die Gründe: 2020 blieben anteilig mehr Reisende in Deutschland oder im benachbarten Ausland – wie in Österreich. Diese Reisen werden in der Regel stärker individuell und mit eigener Anreise – zum Beispiel dem Auto – gebucht. Aber auch hier konnte das Vorjahresniveau bei weitem nicht erreicht werden.

Was war besonders katastrophal?

Eine der größten Herausforderungen musste die Reisewirtschaft gleich zu Beginn bewältigen: eine riesige Rückholaktion von Urlauben­- den aus den Zielgebieten, nachdem die weltweite Reise­warnung im März beschlossen worden war. In einem solidarischen Kraftakt innerhalb der Branche und mit dem Auswärtigen Amt haben wir es in kurzer Zeit geschafft über 250 000 Reisende sicher nach Hause zurückzubringen. Hierfür wurden zahlreiche Linienflüge, aber auch eine hohe Zahl Sonderflüge organisiert und eingesetzt. Die überwiegende Zahl der Zurückgeholten hatten eine Pauschalreise gebucht, sodass die hier entstandenen, erheblichen Kosten von den Reiseveranstaltern übernommen wurden. Gleichzeitig mussten alle ­gebuchten, noch nicht angetretenen Reisen abgesagt werden – und zwar alle in fast alle Zielgebiete weltweit.

Kanu Aktiv Tours GmbH

Reisende mussten informiert werden, Reisen umgebucht oder storniert und dann die Vorauszahlungen zurückgezahlt werden. Und das alles auf einen Schlag – eine nie dagewesene Herausforderung – wirtschaftlich, aber auch körperlich. Darüber hinaus haben uns – als im Sommer Reisen langsam wieder möglich waren – die Appelle der Politik, auf Reisen zu verzichten, zu schaffen gemacht. Die Stigmatisierung des Reisens aus den verschiedensten Richtungen hat den Unternehmen der Reisewirtschaft ­massiv geschadet. Nach jeder Aussage gegen das Reisen haben wir einen signifikanten Einbruch bei den Buchungen gesehen. Die Politik muss sich hier ihrer Wirkung mehr bewusst sein, öffentliche ­Äußerungen genau überlegen und sich der Mühe einer differenzierten Betrachtung unterziehen.

Was hätten Sie sich von Seiten der Politik gewünscht?

Die Bundesregierung hat sehr schnell viele Hilfen auf den Weg gebracht, das war überaus wichtig und wir ­begrüßen diese Unterstützungsleistungen sehr. Reisebüros und Reiseveranstalter waren in dieser schwierigen Situation dringend auf Liquidität angewiesen.

Hilfreich wäre gewesen, wenn die Bundesregierung – wie viele andere europä­ische Länder – mutig genug gewesen wäre, vorüber­- gehend eine insolvenzgesicherte Gutscheinlösung für die Rückzahlung von Kundengeldern für nicht ange­tretene Reisen zu ermög­lichen. Damit hätte der riesige Liquiditätsengpass bei den Reiseveranstaltern schnell entschärft werden können. Bei der riesigen Anzahl Reisen, die mit einem Schlag aufgrund der Reisewarnung abgesagt werden mussten, konnte eine Rückzahlung an die Kunden leider in den meisten Fällen nicht innerhalb von 14 Tagen gewährleistet werden.

Welche Lehren zieht die Branche aus dem Jahr 2020?

Norbert Fiebig
Norbert Fiebig

In dem äußerst herausfordernden Jahr 2020 ist einmal mehr deutlich geworden, wie wichtig der Kundenkontakt gerade in einer Krise ist. Durch offene und transparente Kommunikation über Reiseveranstalter und Reisebüros wird Vertrauen geschaffen. Das hat aufgrund der schwerwiegenden Situation und der riesigen Menge an betroffenen Kunden leider nicht an allen Stellen reibungslos funktioniert. Gerade durch den engagierten, unermüdlichen Einsatz der Reisebüros konnte hier aber das meiste aufgefangen werden. Die Reisebüros waren gerade zu Beginn der Pandemie die Helden der Branche. In der Krise hat sich gezeigt, dass Flexibilität das Gebot der Stunde ist – auf Seiten der Unternehmen, in den Zielgebieten, aber insbesondere auch hinsichtlich des Commit­ments der Kunden. Darauf hat die Branche zeitnah mit noch flexibleren Stornierungs- und Umbuchungsbedingungen reagiert. Diese geben den Gästen zusätzlich ein sicheres Gefühl bei der Buchung. Ich glaube, das war ein ganz guter Impuls, der den aktuellen Bedürfnissen der Kunden nach Flexibilität gerecht wird.

Die Krise hat aber leider auch gezeigt, dass das europäische Reiserecht in keiner Weise auf eine weltweite Pandemie ausgerichtet ist. Hier muss dringend in Form einer Pandemieklausel nachgebessert werden.

Wo steht die Reisebranche jetzt?

Der Start ins Jahr 2021 war durch erneute Reisewarnungen mehr als nur holprig. Die gesamte Wintersaison ist so gut wie ins Wasser gefallen. Ein Ausfall, der sich auch nicht mehr mit dem Sommer ausgleichen lässt. Aber zum Glück ist der Reisemotor mit zunehmenden Impfungen, Lockerungen bei der Rückreise und Verzicht auf Quarantänemaßnahmen wieder angesprungen. Die Menschen wollen wieder verreisen und sitzen quasi auf gepackten Koffern.

Rund 40 Prozent aller neuen Buchungen im Mai und ­Anfang Juni entfallen derzeit auf Juli und August. Das heißt, es werden jetzt kurzfristig die Buchungen nachgeholt, die in einem „normalen“ Jahr in den ersten Monaten für den Sommer getätigt werden.


69,5 Milliarden Euro gaben die Deutschen 2019 laut einer Umfrage insgesamt für Reisen aus (+3,69 Prozent gegenüber dem Vorjahr). 2020 sanken die Reiseausgaben um 54 Prozent auf 31,9 Milliarden Euro.

63 Millionen Passagiere starteten und landeten 2020 laut einer Erhebung insgesamt an deutschen ­Flughäfen. Dies ist ein Rückgang von 74,6 Prozent zum Vorjahr. 2019: 248,1 Millionen ­Passagiere.

61 Prozent der ­Deutschen nutzten im Corona-Jahr laut einer Befragung das Auto für ihre Urlaubsfahrt (2019: 43 Prozent), 26 Prozent nahmen das Flugzeug (2019: 42 Prozent), 4 Prozent den Bus (2019: 6 Prozent) und ­7 Prozent gaben der Bahn den Vorzug (2019: 6 Prozent).


Summa summarum gehen wir davon aus, dass die Reisewirtschaft Ende 2021 rund 40 Prozent des Umsatzes aus 2019 erreicht haben wird. Wir rechnen also erneut mit einem hohen Umsatzrückgang von um die 60 Prozent. Und dies auch nur dann, wenn der Sommer so positiv bleibt und die Zahlen weiter anziehen. Daher benötigt die Reisewirtschaft auch ­unbedingt weitere Unterstützungsleistungen der ­Bundesregierung. Für Teile der Reisewirtschaft bleibt das Geschäft weiterhin am Boden. Das gilt aktuell etwa für die Mehrzahl der Fernreisen, die aufgrund der zahlreichen Einreisebeschränkungen oder -verbote kaum möglich sind. Wir wünschen uns daher klare und verständliche Einreiseregeln, einen maßvollen und zielgerichteten Umgang mit Quarantänemaßnahmen sowie den Verzicht auf eine neuer­liche Stigmatisierung des Reisens als Corona-Treiber.

Reisen werden wieder gebucht. Welche Ziele werden am meisten nachgefragt?

Die Urlaubslust ist da und je näher die Hauptreisezeit rückt, umso mehr zeigt sich dies auch in den Buchungen. Der Trend zum Urlaub in Deutschland setzt sich in diesem Jahr fort. Immer mehr Reiseveranstalter haben ihr Angebot für Ziele im Inland ausgeweitet. Besonders gefragt sind hier die Nord- und Ostseeküste und Bayern. Immer mehr europäische Flugziele öffnen sich für Reisende, und das zeigt sich dann auch bei den Buchungen. Die klassischen Badeferien am Mittelmeer sind sehr gefragt bei den Flugpauschalreisen. Die Reisen sollen nach Spanien und da besonders nach Mallorca und auf die Kanaren gehen, nach Griechenland, Kroatien und Portugal. Auch die Türkei holt auf – gerade Familien setzen auf das sehr attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis. Und auch die Kreuzfahrtbuchungen nehmen wieder zu.

Reiselöwe

Gibt es noch Beschränkungen bei Urlaubsländern?

Insbesondere auf der Fernstrecke sind sehr viele Ziele zu touristischen Zwecken noch nicht zu bereisen. Aber auch hier bereiten sich immer mehr für die Öffnung vor – zum Beispiel Mauritius, Thailand, die USA oder Kanada. Australien oder Neuseeland wollen in diesem Jahr nicht für internationale Reisende öffnen. Unsere Hoffnung liegt auf dem Winter. Dann werden traditionell mehr Fernreisen gebucht.

Worauf legen Urlauber jetzt besonders Wert?

Reisende setzen insbesondere auf Sicherheit und gute Beratung. Stand Anfang Juni waren 7 von 10 Buchungen organisierte Reisen von Reiseveranstaltern. Die Pauschalreise ist bei deutschen Urlaubern überaus beliebt und die Zufriedenheit bei dieser Reiseform liegt bei fast 100 Prozent. Die Menschen in Deutschland vertrauen der Pauschalreise und genießen die Vorteile: ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis, ein verlässliches Krisenmanagement und die Hilfe durch den Reiseveranstalter im Fall der Fälle sowie die finanzielle Absicherung. Darüber hinaus kommt der persönlichen Beratung im Reisebüro ein ganz neuer Stellenwert zu. Wer weiß denn schon, welche Regelungen zur Einreise wo gelten, was bei der Rückreise zu beachten ist und wie die Corona-Maßnahmen vor Ort sind?

Mit der gestiegenen Nachfrage steigen auch die Preise?

Per se sehen wir bei den ­organisierten Reisen stabile Preise. Allerdings kann es insbesondere in der Hauptferienzeit Preissteigerungen geben. Dies liegt daran, dass die Zielgebiete erst sukzes­sive öffnen und auch das Hotelangebot langsam hoch­- gefahren wird. Damit trifft ein noch eingeschränktes Angebot auf eine sehr starke Nachfrage, die gerade für die Sommerferien von dem Wunsch vieler Familien getragen ist, endlich wieder einmal rauszukommen.

Sächsische Schweiz aktiv erleben

Foto: Kanu Aktiv Tours
Foto: Kanu Aktiv Tours

In Königstein – im Herzen der Sächsischen Schweiz – hat Kanu Aktiv Tours seinen Sitz. Frei nach dem Prinzip „Alle sitzen in einem Boot“ paddeln Sie auf unserer erlebnisreichen Elbe entweder mit Kanu, Schlauchboot oder Floß. Wir bieten eine naturnahe und aktive Freizeitgestaltung. Erleben Sie die Sächsische Schweiz mal aus einer anderen Perspektive. Entdecken Sie mit uns die einzigartige Felsenlandschaft der Sächsisch-Böhmischen Schweiz bei einer Kletter-, Klettersteig- oder Höhlentour beziehungsweise Höhlenerkundung.

Als regensichere Variante haben wir unseren Indoor-Hochseilgarten. Hier können Sie in luftiger Höhe 18 Parcourelemente durchlaufen. Zudem können Sie Ihre Geschicklichkeit und Klettererfahrung an unseren Klettertürmen und -wänden erproben.

Wer es etwas ruhiger mag, der kann an unserer 18-Loch-starken Turnier-Minigolf-Anlage mit Blick auf die Festung eine Runde spielen.

Ihre Franziska Krugge

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