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Home Sonderthemen Sport & Fitness "Der BVB ist weit weg von Bayern“
09:27 18.09.2020
Supertalente in Diensten Borussia Dortmunds: Jadon Sancho (links) und Jude Bellingham. Fotos: Revierfoto, Christian Schroedter/alle imago images

Herr Matthäus, auch Ihnen fällt es nach dem Triple-Sieg der Bayern sicher schwer, an einen Meisterschaftskampf zu glauben, richtig?

Eigentlich hat sich nichts an ihrer Stellung geändert. In der vergangenen Saison hatte Bayern München zwar „nur“ 13 Punkte Vorsprung – da hat es ja schon Jahre gegeben, wo es viel mehr waren –, aber jetzt ist ihre Dominanz noch größer geworden. Nicht aufgrund der Ergebnisse, sondern wie diese zustande gekommen sind. Beeindruckend! Sie führen derzeit den europäischen Fußball an. Dass der FC Bayern da als haushoher Favorit in die Saison geht, dafür muss man kein Wahrsager sein.

Haben Sie nicht mal den Restfunken einer Titelkampfhoffnung, weil Jadon Sancho noch mindestens ein Jahr für Borussia Dortmund auflaufen wird?

Der war in den letzten Jahren auch da und es hat nicht funktioniert. Der BVB ist wie alle anderen Vereine in Deutschland weit weg von den Bayern. Da müssten sie schon viele Hausaufgaben erledigen und darauf hoffen, dass bei den Bayern wirklich alles negativ läuft. Und daran glaube ich nicht.

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Warum eigentlich nicht?

Weil der Klub auf und neben dem Platz top aufgestellt ist. Es ist wieder Ruhe und Harmonie eingekehrt. Und gleichzeitig ist die Gier da. Beim FC Bayern ist es so: Wenn man Titel gewinnt, dann werden sie richtig gefeiert. Aber in der nächsten Saison will man diese Erfolge wiederholen – und am besten eins drauflegen. In München sehnt man sich nach immer neuen Rekorden. Und ich glaube, dass Hansi Flick der richtige Trainer ist, der so einschreitet, dass erst gar keine Leichtsinnigkeiten aufkommen. Das lässt er nicht zu. Auch wenn es das für den Rest der Liga etwas langweilig macht.

Will der BVB das Wörtchen „Meisterschaft“ deshalb nicht mehr in den Mund nehmen?


Der BVB kann stolz darauf sein, inzwischen die führende Adresse bei den größten Talenten in Europa zu sein. In Dortmund erhoffen sich junge Spieler wie Jude Bellingham den nächsten Schritt in ihrer Karriere.

Mit ihm kam der Rekordmeister zur Ruhe – und zu Erfolgen: Bayern-Trainer Hansi Flick. Foto: Sven Simon/imago images
Mit ihm kam der Rekordmeister zur Ruhe – und zu Erfolgen: Bayern-Trainer Hansi Flick. Foto: Sven Simon/imago images

Muss sich der BVB mittlerweile mit dem Image als Durchgangsstation zufriedengeben?

Der BVB kann selbst einschätzen, dass andere Mannschaften einen klangvolleren Namen haben und dass es neben dem FC Bayern noch sechs, sieben andere Vereine in Europa gibt, die wirtschaftlich ganz sicher höher einzuschätzen sind. Real Madrid, FC Barcelona, Manchester City und United oder Juventus Turin etwa. Diese Klubs haben noch mehr Geschichte zu bieten und dazu eine Mannschaft, mit der der ganz große Wurf gelingen kann.


„In München sehnt man sich nach Rekorden“


Wird RB Leipzig, CL-Halbfinalist, im zweiten Jahr unter Trainer Julian Nagelsmann noch besser – oder wiegt der Abgang von Timo Werner zu schwer?

So einen Spieler zu ersetzen – das wird nicht gelingen. In Leipzig muss man sich was Neues einfallen lassen, da ist Julian gefordert, und ich glaube, das macht ihm auch Spaß. Und das ist doch das Schöne an der Bundesliga, dass es hinter der erschreckenden Dominanz der Bayern so spannend ist. Mit Gladbach, Leverkusen, Leipzig, Dortmund – und sicher noch einer anderen Mannschaft.

An wen denken Sie?

Man muss abwarten, wie sich die Dinge in Berlin entwickeln. Die Hertha ist das Paris Saint-Germain Deutschlands, als Hauptstadtklub und mit dem Geldsegen eines Investors. Mal schauen, wie sie das Geld anlegen, ob sie die Balance finden – und den Erwartungen dann gerecht werden. Zumindest stehen sie jetzt auch mehr unter Druck, unbedingt einen internationalen Platz zu erreichen. Die Europa League wäre ein erster Schritt, um den Abstand nach oben zu verkleinern.

Mehr geht nicht: Bayern-Kapitän Manuel Neuer hebt den Henkelpott in den Nachthimmel von Lissabon. Durch das 1:0 im Finale der Königsklasse gegen Paris Saint-Germain komplettierten die Münchner ihre am Ende perfekte Saison, bejubelten das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League. Foto: Frank Hoermann/imago images
Mehr geht nicht: Bayern-Kapitän Manuel Neuer hebt den Henkelpott in den Nachthimmel von Lissabon. Durch das 1:0 im Finale der Königsklasse gegen Paris Saint-Germain komplettierten die Münchner ihre am Ende perfekte Saison, bejubelten das Triple aus Meisterschaft, Pokalsieg und Champions League. Foto: Frank Hoermann/imago images

Können sich Schalke 04 und Werder Bremen von ihren Krisensaisons wieder erholen?

Schalke ist es in der Rückrunde ja sogar noch schlechter ergangen (seit 16 Bundesliga-Spielen ohne Sieg, d. Red.) als Relegationsteilnehmer Bremen. Das sind beides namhafte Mannschaften, die in der Vergangenheit auch wirtschaftlich viel besser positioniert waren, die aber auf einmal mit dem Abstiegskampf in Verbindung gebracht werden in einer Riege mit Mannschaften wie Mainz 05 und dem FC Augsburg. Da gehören jetzt auch Schalke und Bremen dazu. Sie können sich des Klassenerhalts nicht mehr sicher sein.

Geht Schalke-Trainer David Wagner nach der schwachen Vorsaison bereits als Wackelkandidat in die neue Spielzeit?

Wenn am Anfang der Saison nicht gleich ein Erfolg da ist und man es direkt wieder mit den unteren Tabellenplätzen zu tun haben sollte, ist Wagner schnell gefährdet. Gleiches gilt für Kohfeldt in Bremen. Es würde dann vielleicht der Eindruck entstehen, dass man schon zu lange an ihnen festgehalten hat. Ich weiß nicht, ob man eine solche Geduld noch mal mit ihnen haben würde. Gerade auf Schalke ist der Druck noch mal ein bisschen größer von außen.


„Auf Schalke ist der Druck noch größer geworden“


Funktioniert es, dass der gleiche Trainer, nehmen wir Kohfeldt, eine solche Horrorsaison überhaupt aus seinen Spielern rausbekommt?

Ich würde sagen: Ja. Man soll ja immer nach vorn gucken. Die Rettung haben sie letztendlich doch noch erreicht. Damit war das Negative dann doch nicht so negativ, dass man abgestiegen ist. Es war zwar kein Erfolg, aber ein Minimalziel, das sie sich gesteckt hatten. Das kann auch Kraft für die Zukunft geben.

Inwiefern wird Corona mit allem, was dazugehört, die Spiele weiterhin beeinflussen?

Die Qualität der Spiele hat es gar nicht beeinträchtigt. Ich sehe attraktive Spiele, tolle Kombinationen, rassige Zweikämpfe und viele Tore. Die Mannschaften können mittlerweile besser damit umgehen als noch im Mai. Auch wir Zuschauer an den TV-Geräten haben uns an die leere Atmosphäre gewöhnt. Was ich nicht gedacht hätte, war, dass durch die fehlenden Fans im Stadion so viele Auswärtssiege möglich sind. Daran sieht man, dass viele Mannschaften tatsächlich von der Atmosphäre getragen werden. Klar ist: Jeder vermisst die Zuschauer. Außer die Bayern, die sind auch ohne ihre Fans stark genug. (lacht)

Matthäus-Check

Lothar Matthäus gibt zu jedem Klub seine Prognose ab. Wie der Rekordnationalspieler die 18 Mannschaften in der Fußball-Bundesliga einschätzt.


Der Trainer


Lothar Matthäus (59) hat 150 Länderspiele für die DFB-Auswahl absolviert, ist damit Rekordnationalspieler. Der Weltmeister von 1990 und Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft arbeitet heute als TV-Experte für Sky.


"Kompliziert": Die Liga und das Coronavirus

Die Auswirkungen der Corona-Krise machen auch in der neuen Saison nicht halt vor der Fußball-Bundesliga. Für den Neustart nach der Unterbrechung war die Deutsche Fußball Liga (DFL) im Mai allerorten gelobt worden, das Hygienekonzept galt als globales Vorbild für andere Sportarten und Ligen. Gleichwohl mahnte DFL-Boss Christian Seifert vor dem Beginn der Spielzeit 2020/2021: „Die Organisation und Durchführung dieser Spielzeit wird um ein Vielfaches komplizierter als die Beendigung der letzten Spielzeit.“ Er erwartet „die anspruchsvollste und schwierigste Spielzeit des professionellen Fußballs in Deutschland“. Größtes Aufregerthema: die Rückkehr der Fans in die Stadien. In Ermangelung einer gemeinsamen Strategie kommt es zum Saisonstart deswegen zum viel kritisierten Flickenteppich. Heißt: Je nach regionaler Verfügungslage dürfen die Klubs unterschiedlich viele Zuschauer in ihre Arenen lassen. Eine Corona-Regel bleibt zunächst bestehen: Um die Verletzungsgefahr für die Spieler zu reduzieren, bleiben in allen Spielen fünf statt drei Auswechslungen erlaubt.

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