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Themenwelten
14:31 24.11.2021
SuperintenDentin Dr. Kristin Jahn. Foto: Mario Jahn

Die Erde ist des HERRN und alles was darinnen ist. Worte aus Psalm 24. Diesen Psalm beten Christen in aller Welt jetzt zum 1. Advent. Die Erde ist des HERRN und alles, was darinnen ist. Wer darf stehen auf seiner heiligen Stätte? fragt der Beter im Psalm 24 und beantwortet sich die Frage gleich selbst: Wer unschuldige Hände hat und reinen Herzens ist. Wer nicht bedacht ist auf Lüge und nicht schwört zum Trug: der wird den Segen vom HERRN empfangen und Gerechtigkeit von dem Gott seines Heils.

In diesem Jahr, wo so viele Fakenews und Verschwörungstheorien im Umlauf sind, bewegen mich die Zeilen dieses Adventspsalms ganz besonders. Ich erlebe immer mehr, wie sich Menschen zerstreiten, ihre eigene Meinung absolut setzen, so tun, als hätten sie die Wahrheit gepachtet und dann gar nicht mehr miteinander können. Meinungen werden mit Fakten vermischt. Lügen sind im Umlauf. All das vergiftet unseren Zusammenhalt, ich halte das für gottlos und gefährlich
 

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Die einen lassen sich impfen, die anderen leugnen Corona. Die einen gehen freitags für den Erhalt der Schöpfung demonstrieren, die anderen sagen: „Den Klimawandel gibt’s gar nicht, lasst mich doch damit in Ruhe!“ Man zieht sich zurück ins Eigene und wehe einer sagt, was nicht in mein Weltbild passt. So mancher ist dünnhäutig geworden. So mancher ist immer gleich verletzt, nur weil er keine Zustimmung bekommt. Es bilden sich Gruppen, die nicht mehr miteinander reden. Der Riss geht durch Familien, Ehepaare, Freundschaften.

Können wir einander noch zuhören? Halte ich es aus, die Meinung meines Gegenübers zu ergründen, gerade wenn ich das anders sehe? Dein Leben ist wertvoll, sagt Gott zu uns in Jesus Christus. Er sagt es zu uns in der Taufe: Dein Leben ist wertvoll. Achte darauf, liebe dich und deinen Nächsten wie dich selbst!

Gott lehrt mich, mein Leben wertzuschätzen, meine Grenzen, Gaben und Möglichkeiten einzuschätzen. Und er lehrt mich das Leben meines Nächsten zu wertschätzen mit seinen Gaben, Möglichkeiten, Grenzen. Er lehrt mich einen liebevollen Blick auf mich selbst und auf meinen Nächsten. Wer das schafft, kann zuhören und wertet das Fremde nicht ab. Wer es schafft, sich selbst zu lieben und das Fremde, der fragt nach: Wie hast du das gemeint, warum sagst du das? Der sagt auch mal: Stopp, so nicht – wenn am Stammtisch wieder über einen Menschen hergezogen wird.

Im Advent machen sich Christen in aller Welt auf. Sie rechnen mit Gott, mit seinem Kommen in unser Gestern, Heute und Morgen. Gott wird unser Richter und Retter sein, daran glaube ich. Daran glauben Christen in aller Welt. Deshalb urteilen wir nicht über unseren Nächsten, darum werten wir einander und uns selbst nicht ab. Wir hören zu, wir fragen nach. Wir empfinden das Fremde nicht als Abwehr der eigenen Position. Wir wissen um Gottes Vielfalt, die er schuf und glauben Gott auf dem seinem Thron. Wir stellen uns nicht an Gottesstatt. Wir sind das Geschlecht, das nach ihm fragt, wie es im Psalm 24 heißt, ein Geschlecht, das Gottes Angesicht sucht, ein Gegenüber und nicht nur die Bestätigung der eignen Position.

Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe. Ja, wir hoffen auf Gott. Er ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit, wie es im Psalm 24 heißt.

Gott allein die Ehre geben. Mich selbst nicht erhöhen und nicht erniedrigen und so auch mit meinem Gegenüber verfahren – ich finde, damit wäre heutzutage schon ganz viel getan und es wäre ein stetiger Advent: Das Hoffen auf eine höhere Instanz, die uns alle rettet und liebt.

Eine besinnliche Adventszeit wünscht Ihnen
Kristin Jahn,
Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Altenburger Land.

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